Wie sich Luxus in der Ferienhotellerie verändert - Insights aus der Beaumier Hotelgruppe

Im Gespräch mit dem Brandcraft Journal spricht Lorenz Maurer, Area General Manager des Grand Hotel Belvedere in Wengen (Teil der Beaumier Hotelgruppe), über neue Reisegewohnheiten, die strategische Positionierung von Beaumier zwischen Boutique-Hotels und Luxusresorts sowie über die wachsende Bedeutung von authentischen Erlebnissen, nachhaltigem Tourismus und starken Markenpartnerschaften.

Ein Gespräch über Luxus, der heute weniger durch Statussymbole definiert wird – und mehr durch Zeit, Natur und echte Erfahrungen.

Brandcraft Key Takeaways

  • Gäste suchen stärker nach regionaler Kultur, Traditionen und echten Destinationserfahrungen

  • Persönlichkeit und Haltung der Mitarbeiter prägen die Markenidentität eines Hotels

  • Regionale Zutaten, lokale Produzenten und nachhaltige Beschaffung prägen die Kulinarik

  • Natur-, Food- und Retreat-Erlebnisse werden zentrale Bestandteile der Guest Experience

  • Charakterstarke Hotelkonzepte gewinnen gegenüber standardisierten Markenprofilen an Bedeutung

Zur Person und Beaumier Gruppe

Lorenz Maurer ist Area General Manager des Grand Hotel Belvedere in Wengen sowie weiterer Häuser der europäischen Beaumier Hotelgruppe. Mit langjähriger Erfahrung in der internationalen Luxushotellerie verantwortet er Destinationen in den Alpen und prägt dort eine Hospitality-Philosophie, die Natur, Design, Kulinarik und lokale Kultur zu authentischen Gästeerlebnissen verbindet.

Die Beaumier Gruppe betreibt ikonische Hotels und Resorts an besonderen Destinationen in Europa, darunter Häuser in den französischen Alpen, an der Côte d’Azur und in der Schweiz. Die Marke steht für eine Verbindung aus außergewöhnlichen Landschaften, charakterstarkem Design, regionaler Kultur und erlebnisorientierter Gastfreundschaft. Ziel ist es, Orte zu schaffen, an denen Gäste nicht nur übernachten, sondern eine Destination wirklich erleben.

 

Lorenz Maurer (Credit: Michael Frick)

Brandcraft: Welche Veränderungen beobachten Sie aktuell in der gehobenen Ferienhotellerie, insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Aufenthaltsdauer, Direktbuchungen und Experience-Fokus?

Lorenz Maurer: Ich beobachte eine klare Besinnung hin zu einem sinnvolleren Tourismus – langsamer, bewusster und stärker verbunden mit dem Lebensgefühl einer Region. Viele Gäste möchten heute nicht mehr nur eine schöne Landschaft sehen, sondern wirklich verstehen, wie eine Destination lebt und funktioniert.

Luxus bedeutet heute vor allem Zeit zu haben. Zeit für Dinge im Leben, die man nicht an jeder Ecke kaufen kann – für Erlebnisse, die inspirieren, entschleunigen und neue Energie geben. Unsere Gäste interessieren sich zunehmend für lokale Geschichte, das Leben im Dorf, unsere Bräuche und Traditionen. Sie möchten regionale Produkte entdecken, Menschen vor Ort kennenlernen und Teil des Alltags einer Destination werden, statt sie nur zu besuchen.

Das wirkt sich automatisch auf Nachhaltigkeit, Aufenthaltsdauer und auch auf das Angebot im Dorf aus. Gäste bleiben häufig länger, bewegen sich bewusster durch die Region und nutzen lokale Angebote – von kleinen Produzenten bis zu kulturellen Aktivitäten. Dadurch entsteht eine engere Verbindung zwischen Hotel, Destination und lokaler Community.

Eine Rolex kann man heute in jeder größeren Stadt kaufen. In einem Bergdorf suchen unsere Gäste etwas anderes. Hier geht es nicht um Status, sondern um Erfahrungen, die man nur an genau diesem Ort machen kann.

Brandcraft: Wie ist die strategische Positionierung der Beaumier-Gruppe im internationalen Wettbewerb zwischen Boutique Hotels, Luxury Resorts und Designhotels definiert – und worin liegt Ihr klarer USP als Marke?

Lorenz Maurer: Bei Beaumier beginnt alles beim Mitarbeiter.Er muss die Berge und die Natur lieben. Er muss Persönlichkeit haben und den Mut, einfach er selbst zu sein. Unser Auftrag ist klar: Unsere Gäste sollen bei uns eine gute Zeit haben. Ob der Wein von links oder rechts eingeschenkt wird, ist dabei nebensächlich. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Mitarbeiter ihre Zeit bei uns genießen und Freude an dem haben, was sie tun – auch wenn sie natürlich hart arbeiten.

Unser Ziel ist es, authentische Erlebnisse zu vermitteln. Sportliche Aktivitäten gehören dazu, aber eben mehr als nur Skifahren oder Wandern: Yoga Hikes, Gleitschirmfliegen oder Segeln. Wellness bedeutet für uns nicht nur Pools und Saunen, sondern auch tägliches Yoga, Pilates, Waldbaden oder Retreats. Und beim Thema Food arbeiten unsere Küchenchefs mit einem 100-Kilometer-Radius, sammeln selbst, was die Natur hergibt, und verfolgen ein klares Zero-Waste-Ziel.

Wir bei Beaumier lieben schönes Design, gutes Essen und großartigen Wein. Wir genießen das Leben – und genau dieses Lebensgefühl möchten wir an unsere Gäste weitergeben. Jedes Detail zählt.

“Unser Auftrag ist klar: Unsere Gäste sollen bei uns eine gute Zeit haben. Ob der Wein von links oder rechts eingeschenkt wird, ist dabei nebensächlich.“

Brandcraft: Wie verbinden Sie Architektur, Interior Design, Kulinarik und lokale Kultur zu einer konsistenten Guest Experience, die Destination Branding und Markenidentität stärkt?

Lorenz Maurer: Unsere Hotels liegen an ikonischen Orten – oft an Destinationen, die zwar außergewöhnlich sind, aber noch entdeckt werden wollen. Genau diese Mischung aus spektakulärer Landschaft und authentischer Regionalität macht für uns den Reiz vieler Beaumier-Standorte aus.

Wir arbeiten bewusst mit lokalen Interior Designern und konzentrieren uns stark auf regionale Zutaten und Produkte. Unser Executive Chef geht zum Beispiel selbst Pilze, wilden Knoblauch oder Holunder sammeln. Im Herbst können Gäste sogar gemeinsam mit ihm Pilze sammeln gehen und anschließend erleben, wie diese direkt in der Küche verarbeitet werden.

Im Les Roches Rouges arbeitet ein Fischer bei uns, der morgens hinausfährt und dessen Fang am Abend im Restaurant serviert wird. Frischer und regionaler geht es eigentlich nicht.

Solche Experiences können Gäste in vielen unserer Häuser buchen – vom Sammeln und Kochen über Naturerlebnisse bis hin zu Begegnungen mit lokalen Produzenten. Genau diese Verbindung aus Ort, Kultur und Erlebnis verstehen wir heute als modernen Luxus.

Lorenz Maurer (Credit: Michael Frick)

Brandcraft: Beaumier arbeitet sichtbar mit hochwertigen Produkten im Look der Marke. Welche strategische Rolle spielen diese Produkte in Ihrer Markenführung? Welchen Einfluss haben sie auf Markenwahrnehmung, Gästeerlebnis und Kundenloyalität?

Lorenz Maurer: Hochwertige Produkte – oft auch weniger bekannte lokale Marken – sollen unsere Gäste inspirieren und gleichzeitig die Werte unserer Häuser widerspiegeln. Wir achten deshalb bewusst auf viele kleine Details: Die Ohrenstäbchen sind nachhaltig verpackt, der Schuhlöffel ist aus Holz statt Plastik, und im Bad finden sich dieselben lokalen Produkte wie im Spa.

Bei Kooperationen arbeiten wir nur mit Marken zusammen, die wirklich zu uns passen und eine ähnliche Haltung und Zielgruppe haben. Monocle ist ein gutes Beispiel, aber auch Round Rivers oder unser Spa-Partner Susanne Kaufmann.

Diese Partnerschaften beschränken sich nicht nur auf Produkte, sondern werden auch durch gemeinsame Events und Erlebnisse lebendig. So entstehen Berührungspunkte mit der Marke, die über den eigentlichen Aufenthalt hinausgehen.

“Eine Rolex kann man in jeder größeren Stadt kaufen. In einem Bergdorf suchen unsere Gäste etwas anderes.“

Brandcraft: Wie wird sich die Premium- und Luxus-Ferienhotellerie in den kommenden fünf Jahren wohl entwickeln – insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Community-Building?

Lorenz Maurer: Ich glaube, dass der Anteil an Hotels mit einem inspirierenden, eigenständigen und charaktervollen Profil weiter wachsen wird. Gäste suchen heute zunehmend Orte mit Persönlichkeit, mit einer klaren Haltung und einer Geschichte, die sie spüren können.

Gerade in der Ferienhotellerie wirkt der klassische Corporate-Einheitsstil oft austauschbar. Hotels, die mutig genug sind, ihre eigene Identität zu entwickeln und konsequent umzusetzen, werden langfristig stärker wahrgenommen. Mut zum Risiko ist – besonders in der Schweiz – noch nicht überall verbreitet, aber ich bin überzeugt, dass sich dieser Ansatz am Ende auszahlen wird.

Auch kulinarisch zeigt sich dieser Wandel. Neben klassischen Fleischgerichten bieten wir bewusst mit viel Liebe zubereitete vegane Speisen an. Das passt vielleicht nicht jedem Gast sofort, aber viele, die offen sind und es probieren, sind danach positiv überrascht.

Für unsere Mitarbeiter, unser Management und auch viele Menschen vor Ort macht Nachhaltigkeit schlicht Sinn. Sie entsteht nicht nur aus einer Marketingidee, sondern aus der Überzeugung, verantwortungsvoll mit Ressourcen, Produkten und der Umgebung umzugehen. Genau diese Haltung wird für viele Gäste in Zukunft ein entscheidender Faktor bei der Wahl eines Hotels sein.

Vielen Dank für das Gespräch! Mehr Infos zu Beaumier finden Sie auf www.beaumier.com

Weitere Interviews zur Zukunft der Hospitality finden Sie im Brandcraft Journal.

Zurück
Zurück

Fokus Marke: Now Now (New York)

Weiter
Weiter

Hospitality als Mindset: Wie Vitra über Design, Nachhaltigkeit und die Zukunft von Hotels denkt